Das Landgericht Wiesbaden (Urteil vom 06.03.2018 – 9 S 34/14) fasste die Voraussetzungen eines Schmerzensgeldanspruchs einer Geschädigten zusammen und urteilte ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.500,00 EUR für eine einfache Halswirbelsäulendistorsion (HWS-Distorsion) ersten Grades und neun Wochen Arbeitsunfähigkeit (AU) aus:

Dass bei einer MRT-Untersuchung degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule der Klägerin festgestellt wurden, war unschädlich, weil diese die Klägerin bis zu dem Unfall in keiner Weise beeinträchtigt hatten. Dies war erst durch das Schleudertrauma geschehen.

Das Alter der Klägerin spielte also keine Rolle.

Hinsichtlich der Dauer der Behandlungsbedürftigkeit im vorliegenden Fall wusste der medizinische Sachverständige auszuführen, dass in Ermangelung einer kontinuierlichen Untersuchungsbefunddokumentation auf die allgemeine wissenschaftliche Lehrmeinung zu Wirbelsäulendistorsionen zurückzugreifen sei. Danach würden sich Verletzungen nach Art der hier festgestellten voll zurückbilden und wären spätestens nach sechs Wochen ausgeheilt. Nach einer anderen Meinung in der medizinischen Wissenschaft würde sich an einen vierwöchigen Ausheilungsprozess noch eine vierwöchige Zeit anschließen, in welcher die Leistungsfähigkeit des Verletzten als zu 20 % gemindert anzusehen sei. Bei stress- oder schutzreflektorisch ausgelösten Muskelverspannungs- und Muskelschmerzkreisläufen ohne zugrundeliegende eigentliche strukturelle Gewebeschädigung könne – dem medizinischen Sachverständigen zufolge – eine kürzere Arbeitsunfähigkeitszeit erwartet werden. Bei der unfallbedingten Aktivierung präexistenter, aber bis dahin noch klinisch unterschwelliger, degenerativer Prozesse andererseits seien – nach den Worten des medizinischen Sachverständigen – bei körperlich tätigen Betroffenen, wie der Klägerin, auch längere Behandlungs- oder Arbeitsunfähigkeitszeiten plausibel, wobei dann mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum symptomauslösenden Unfallgeschehen dessen Gewicht gegenüber den unfallunabhängigen Vorschädigungen mehr und mehr abnehmen würde.

Ergänzend führte das Gericht aus, dass es vor dem Hintergrund der eingeholten Sachverständigengutachten davon überzeugt sei, dass die von der Klägerin unfallbedingt erlittene Verletzung spätestens nach neun Wochen ausgeheilt war. Vier bis sechs Wochen Rekonvaleszenz würden dabei den in der Fachliteratur anzutreffenden Werten entsprechen, weitere drei Wochen seien zu Gunsten der Klägerin wegen ihrer generellen körperlichen Konstitution, namentlich vorbestehender degenerativer Halswirbelsäulenprozesse, sowie ihrer vorwiegend körperlichen Tätigkeit als Selbstverteidigungstrainerin angenommen worden.

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich gerne an unseren Verkehrsrechtler, Herrn RA Volker Weingran.

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